Somatic Tracking | Empfindungsverfolgung | Geführte Meditationen und Tipps

Eine Basis-Übung aus der Pain reprocessing therapy / PRT

Kennst du die Übung noch nicht? Dann lies dir bitte erst die Beschreibung durch ( Auszug aus dem Buch … weiter unten ) und lies auch das Buch zur Therapie:

Diese Übungen habe ich gezielt für Menschen mit neuroplastischem Schmerz oder anderen neuroplastischen Beschwerden aufgenommen. Kläre bitte erst ab ob deine Schmerzen / Beschwerden, neuroplastisch sind oder neuroplastische Anteile haben. Ich habe auch einen BlogBeitrag um dies besser herauszufinden. HIER MEHR DAZU

Es kann sinnvoll sein, die Übung über einen längeren Zeitraum täglich durchzuführen, um eine Veränderung zu bemerken. Achte dabei immer darauf, dass es dir insgesamt gut geht. Dein Wohlbefinden unterstützt effektive korrigierende Erfahrungen für dein Nervensystem.


Wege aus dem Schmerz – Alan Gordon + Alon Ziv. Das Buch zur Therapiemethode / Pain reprocessing therapy


SOMATIC TRACKING | EMPFINDUNGSVERFOLGUNG | GEFÜHRTE MEDITATION


SOMATIC TRACKING | EMPFINDUNGSVERFOLGUNG | GEFÜHRTE MEDITATION MIT DEN KÖRPEREMPFINDUNGEN ZU SORGEN UND ÄNGSTEN

Manchmal sind die körperlichen Beschwerden und Symptome zu stark um mit ihnen das Somatic Tracking zu machen. IN diesen Fällen arbeite ich gerne mit den Körperlichen Auswirkungen von Sorgen und Ängsten um diese positiv zu beeinflussen. Es kann passieren, dass die anderen Symptome dann auch besser werden, denn auch sie sind (bei neuroplastischem Ursprung) durch die Sorgen und Ängste aktiviert.


SOMATIC TRACKING | EMPFINDUNGSVERFOLGUNG | Auszug aus dem Buch: „Wege aus dem Schmerz

Wie „Empfindungsverfolgung“ „Somatic tracking“funktioniert, lässt sich am besten anhand eines Beispiels erklären. Deshalb werde ich im Folgenden über eine praktische Anwendung der Empfindungsverfolgung berichten, die ich mit einer Patientin namens Janet durchgeführt habe. Im Verlauf des Berichts werde ich immer wieder kurz innehalten und darauf eingehen, was wir getan
haben und aus welchem Grund. Janet litt unter chronischen Rückenschmerzen und sämtliche medizinische Behandlungen waren erfolglos geblieben. Sie hatte Physiotherapie, chi-ropraktische Behandlungen und Steroidinjektionen ausprobiert, aber nichts hatte geholfen. Während unserer ersten Sitzung erklärte ich ihr, wie das Gehirn Signale der Unbedenklichkeit irrtümlich als Gefahrensignale fehlinterpretieren kann. Nachdem wir ihre Krankheitsgeschichte auf Indizien überprüft hatten, kamen wir zu dem Schluss, dass Janet unter neuroplastischen Schmerzen litt. Als Janet verstanden hatte, was die Quelle ihrer Schmerzen war, war sie bereit für die Empfindungsverfolgung. Ich: „Ich weiß, dass Sie Schmerzen im unteren Rückenbereich haben. Tut es jetzt gerade weh?“ Janet: „Ja.“
Ich: „Okay, das ist eigentlich gut so, denn wir wollen Ihre Schmerzen erkunden. Machen Sie es sich also bitte bequem, schließen Sie die Augen und konzentrieren Sie sich auf Ihren Rücken. Wir machen jetzt nichts anderes, als das Schmerzempfinden in Ihrem Rücken zu erforschen. Sie müssen nicht schmerzfrei werden, die Schmerzempfindung muss sich nicht verändern – Sie sollen Ihren Schmerz nur beobachten. Wie würden Sie die Empfindung beschreiben? Ist es eine Art Verspannung? Ein Kribbeln? Ein Wärmegefühl?“ Janet: „Es ist eine Verspannung – und irgendwie pulsierend.“
Die erste Komponente der Empfindungsverfolgung ist Achtsamkeit. Viele Menschen assoziieren Achtsamkeit mit Meditation oder mit östlicher Philosophie, aber im Grunde genommen ist es ganz einfach. Jon Kabat-Zinn, der dazu beigetragen hat, das Konzept der Achtsamkeit im Westen bekannt zu machen, definiert sie wie folgt: „Achtsamkeit bedeutet, auf eine bestimmte Weise aufmerksam zu sein: bewusst, im gegenwärtigen Augenblick und ohne zu urteilen.“ Genau das tat Janet. Sie schenkte ihren Schmerzen Aufmerksamkeit, jedoch ohne eine bestimmte Absicht und ohne zu urteilen.
Das ist nicht kompliziert, aber sehr wirkungsvoll. Wenn Sie Ihrem Schmerz achtsam Aufmerksamkeit schenken, beobachten Sie ihn angstfrei. Neurowissenschaftler haben gezeigt, dass Achtsamkeit das Gefühl von Sicherheit erhöht, indem die Angstschaltkreise des Gehirns deaktiviert werden. Dies unterbricht den Schmerz-Angst-Teufelskreis‘ und hilft Ihrem Gehirn dabei, Signale Ihres Körpers richtig zu interpretieren. Ich: „Während Sie dieses verspannte, pulsierende Gefühl in Ihrem Rücken erkunden, denken Sie daran, dass es nichts gibt, wovor Sie Angst haben müssen. Neuroplastische Schmerzen sind in Wahrheit eine Empfindung, die Unbedenklichkeit signalisiert. Es ist nur Ihr Gehirn, das auf neutrale, harmlose Signale Ihres Körpers überreagiert.“ Janet: „Okay.“
Unser Ziel ist es, den Schmerzen angstfrei Aufmerksamkeit zu schenken.
Aber das kann schwer sein, wenn wir die Schmerzen so lange gefürchtet haben. Die zweite Komponente der Empfindungsverfolgung besteht darin, dem Gehirn Botschaften zu senden, die Unbedenklichkeit signalisieren.
Forscher haben nachgewiesen, dass diese Technik, die wir „Neubewertung von Sicherheit“ nennen, Ängste signifikant reduzieren kann. An dieser Stelle erinnerte ich Janet daran, dass ihre Schmerzen keine Gefahr darstellen. Dass es nichts gebe, wovor sie Angst haben müsse. Dass es sich nur um ein Missverständnis zwischen ihrem Gehirn und ihrem Körper handele. Dass sie, indem sie sich selber darin bestärke, dass die Empfindung unbedenklich sei, damit beginnen könne, das Missverständnis aufzuklären und zu beseitigen. Erinnern Sie sich an die Beweise, die Sie im vorherigen Kapitel dafür zusammengetragen haben, dass es sich bei Ihren Schmerzen um neuroplastische Schmerzen handelt? Diese werden Ihnen bei der Empfindungsverfolgung helfen. Je mehr Beweise Sie zusammentragen, desto authentischer und wirkungsvoller werden Ihre Botschaften der Unbedenklichkeit an Ihr Gehirn sein.
Ich: „Was spüren Sie, wenn Sie sich auf Ihr Schmerzempfinden konzentrieren? Werden die Schmerzen stärker oder lassen sie nach? Breiten sie sich aus oder spüren Sie einen kontrahierenden Schmerz? Wandern Ihre Schmerzen hin und her oder bleiben sie auf der gleichen Stelle? Verändert sich Ihre Empfindung überhaupt auf irgendeine Weise?“
Janet: „Es pulsiert immer noch, aber die Schmerzen breiten sich aus. Sie sind jetzt irgendwie diffuser.“ Ich: „Das ist sehr gut. Denken Sie daran: Was auch immer mit Ihrer Schmerzwahrnehmung passiert, ist in Ordnung. Lassen Sie also zu, dass es sich so entwickelt, wie es sich entwickelt. Das Einzige, was Sie tun müssen, ist zu beobachten. Es ist so, als würden Sie schnorcheln oder tauchen und einfach nur im Wasser treiben und einem Schwarm wunderschöner Fische zusehen. Sie versuchen nicht, den Fischen hinterherzuschwimmen. Sie versuchen nicht, sie zu fangen. Sie beobachten die Fische einfach nur ruhig. Ihr Rücken ist der Ozean, und die Empfindungen, die Sie verspüren, sind diese Fische. Sie schauen nur zu. Ich bin nur eine freundliche Meeresschildkröte, die neben Ihnen im Wasser treibt. Eine wohlgesinnte, sprechende Meeresschildkröte.
Na gut, vielleicht habe ich es mit dieser Analogie ein bisschen übertrieben.“
Das ist die dritte Komponente der Empfindungsverfolgung. Yoni, der die Rückenschmerzstudie der University of Colorado Boulder durchführte und abgedrehte wissenschaftliche Begriffe liebt, nennt es „Induktion eines positiven Effekts“. Ich nenne es „herumscherzen“. Es ist ein bisschen albern, wenn man sich mich als sprechende Schildkröte vorstellt, aber genau darum geht es. Bei dieser dritten Komponente geht es vor allem um die Stimmung. Wir wollen unsere körperlichen Empfindungen mit Leichtigkeit und Neugier beobachten.
Den Schmerzen mit Leichtigkeit Aufmerksamkeit zu schenken, ist ein wichtiger Bestandteil der Empfindungsverfolgung. Wissenschaftler untersuchen die positive Wirkung, indem sie Probanden erfreuliche Bilder betrachten, sie lustige Videos sehen oder angenehme Musik hören lassen. Solche Experimente zeigen, dass Menschen durch Schmerzen verursachte Ängste besser überwinden können, wenn ihre Stimmung aufgehellt ist.
Ich setzte auf Humor, um Janets Stimmung aufzuheitern und dafür zu sorgen, dass sie entspannt blieb, aber ich erwarte nicht, dass Sie sich selber Witze erzählen. Es geht nicht darum, dass Sie sich selbst zum Lachen bringen, sondern um die Art, wie Sie diese inneren Empfindungen betrachten. Im weiteren Verlauf dieses Kapitels werden wir uns nach eingehender damit befassen, diese positive, neugierige Haltung zu kultivieren.
Ich: „Sie konzentrieren sich nur auf Ihren Rücken, um zu sehen, was passiert. Sie sind nur eine stille Beobachterin. Die Empfindungen sind absolut unbedenklich. Ihr Gehirn mag sie mitunter irrtümlicherweise als Schmerzen fehlinterpretieren, aber sie sind ungefährlich. Was spüren Sie in Ihrem Rücken? Was passiert gerade?“ Janet: „Es pulsiert nicht mehr. Die Schmerzen sind gleichmäßiger.
Und über einen größeren Bereich verteilt. Es tut weniger weh als vorher.“
Ich: „Das ist super. Aber denken Sie daran, dass das nicht unser Ziel ist. Was auch immer mit den Schmerzen passiert, passiert einfach. Sie beobachten und fühlen einfach nur mit Leichtigkeit und Neugier. Das bestärkt Ihr Gehirn darin, dass die Empfindung unbedenklich ist. Nehmen Sie sich noch ein paar letzte Sekunden, um Ihre Empfindungen in Ihrem Rücken zu erkunden … und jetzt öffnen Sie die Augen.“
Während dieser Sitzung war Janet in der Lage, ihren Schmerzen Aufmerksamkeit zu schenken, allerdings durch eine neue Brille. Bis dahin hatte Janet auf ihre Schmerzen mit Angst reagiert, was dafür sorgte, dass sie im Schmerz-Angst-Teufelskreis gefangen blieb. Bei der Empfindungsverfolgung gelang es Janet, ihre Schmerzen durch die Linse der Unbedenklichkeit zu erkunden. Das ist der erste Schritt, um ihr Gehirn neu zu vernetzen, damit es die Empfindungen, die ihr Rücken ihr sendet, richtig interpretiert.
„Unbedenklichkeit“ ist unser Schlüsselbegriff. Ich möchte, dass Sie immer im Kopf haben, dass es um Unbedenklichkeit geht, wenn Sie die Empfindungsverfolgung durchführen. Jede Komponente dieses Prozesses ist darauf ausgerichtet, die Gefühle von Gefahr zu verringern und ein Gefühl von Unbedenklichkeit und Sicherheit zu stärken. Achtsamkeit ist eine Möglichkeit, Ihre Schmerzen urteilsfrei und ohne Angst zu betrach-ten. Die Neubewertung von Sicherheit erinnert Ihr Gehirn daran, dass diese Empfindungen nicht gefährlich sind. Und eine entspannte, fröhliche Stimmung ermöglicht es Ihnen, die Empfindungen auf eine natürliche, positive und neugierige Art und Weise zu erkunden.

…..

Rufen Sie sich in Erinnerung, wie es war, als Sie zum ersten Mal Fahrad ge fahren sind. Es ist eine neue Aktivität und man braucht einige Zeit, um damit klarzukommen. Anfangs konnten Sie sich nur einige Sekunden lang auf de Fahrrad aufrecht halten und mussten dann wieder absteigen, um nicht uma-kippen. Aber durch Übung konnten Sie immer länger und immer weiter fahren.
Für das Praktizieren der Empfindungsverfolgung empfehle ich die gleiche Herangehensweise. Fangen Sie mit kurzen Sitzungen an und steigern Sie die Dauer nach und nach. Wenn Sie das Gefühl haben, sich gestresst zu fühlen, oder wenn es zu schmerzhaft wird, beenden Sie das Ganze.
Ich hatte eine Patientin, die anfangs nur eine Sekunde lang die Empfindungsverfolgung durchführen konnte! Wir versuchten es mit zwei Sekunden und es fiel ihr schwer, es zu ertragen. Das ist in Ordnung. Sie praktizierte es immer nur eine Sekunde lang, bis sie das Gefühl hatte, ihre Übungen verlängern zu können, ohne sich dabei schlecht zu fühlen.
Hören Sie auf Ihren Körper. Wenn Sie Ihre Schmerzen mit Neugier und Leichtigkeit erkunden, können Sie weitermachen. Wenn es sich wie eine lästige Pflicht anfühlt oder zu intensiv wird, ist es an der Zeit aufzuhören.
Sie wissen, dass Sie die Empfindungsverfolgung richtig ausführen, wenn es sich entspannt und gut anfühlt.
Sobald Sie ein wenig Erfahrung mit der Empfindungsverfolgung haben, wissen Sie, was für Sie am besten funktioniert. Natürlich müssen Sie die Übungen nicht einfach nur deshalb verlängern, weil Sie es können. Einige meiner Patienten praktizieren es am liebsten fünf Minuten lang, andere bevorzugen einen fünfsekundigen Check und gehen dann wieder zu ihrem Alltag über.

Wie oft sollte ich die Empfindungsverfolgung anwenden?

Auf diese Frage gibt es keine allgemeingültige Antwort. Einige meiner Patienten wünschen sich von mir strenge Regeln und strikte Zeitpläne.
Ich sage ihnen dann, dass Qualität wichtiger ist als Quantität. Das Ziel ist, sein Leben so gut wie möglich zu genießen und dabei hin und wieder eine Korrekturerfahrung zu machen.
Als ich damit begann, die Empfindungsverfolgung zu praktizieren, tat ich das in einer sehr reglementierten Weise – mehrmals am Tag fünf Minuten pro Übung. Diese Herangehensweise hat für mich nicht funktioniert. Es fühlte sich an wie eine Pflicht, wie etwas, das ich tun musste, und wie etwas, das mir ein schlechtes Gewissen bereitete, wenn ich es nicht in einem ausreichenden Maß tat.
Also änderte ich meine Vorgehensweise. Ich ging dazu über, die Empfindungsverfolgung durchzuführen, wenn ich irgendwo unterwegs war und einfach mein Leben lebte – zum Beispiel wenn ich auf dem Weg zum Supermarkt war und den Tag genoss. Waren die Schmerzen nicht so schlimm, schenkte ich ihnen kurz Aufmerksamkeit und ging dann wieder zu dem über, was ich gerade tat. An einigen Tagen machte ich das ein halbes Dutzend Mal, an anderen Tagen gar nicht.
Als ich dem Ganzen den Druck genommen hatte, begann die Empfindungsverfolgung mir irgendwie Spaß zu machen. Ich setzte sie um, wann ich wollte, und so lange, wie mir danach war.
Wie oft Sie die Empfindungsverfolgung anwenden, ist nicht so wichtig wie die innere Einstellung und die Haltung, mit der Sie es tun. Sie kennen sich selbst am besten. Wenn Sie zu der Sorte Mensch gehören, die dazu neigt, etwas zu übertreiben, oder wenn Sie anfangen, im Hinblick auf die Empfindungsverfolgung obsessiv zu werden, sollten Sie sich damit zurück-halten. Wenn Ihnen die Empfindungsverfolgung wirklich Spaß macht, praktizieren Sie diese, so oft Sie wollen.

Zusammenfassung

Die wichtigsten Bestandteile des Somatic Tracking | der Empfindungsverfolgung sind:

  • Das Nervensystem generell auszugleichen und in einen Zustand der Sicherheit zu bringen.
  • Das Betrachten der Beschwerden durch eine achtsame Brille, akzeptierend und neugierig.
  • Ergebnisoffenheit – Die Symptome dürfen alles machen! Stärker werden, schwächer, gleich bleiben, weg gehen, wandern…

Das Somatic Tracking | die Empfindungsverfolgung bitte nur dann machen wenn die Symptome leicht bis mittelstark sind. l

« zurück zur Übersicht