SRF Puls Beitrag zu Long Covid und BrainRetraing | Kritische Bemerkungen

Zunächst möchte ich betonen, dass ich sehr dankbar bin, dass SRF Puls dieses Thema aufgegriffen hat und mir dabei sehr freundlich begegnet ist.

Trotzdem habe ich ein paar kritische Bemerkungen.

Hier der Text unter dem Beitrag in der SRF Mediathek ( Stand 2.11.26 ) und meine Anmerkungen dazu / dick geschrieben.

Long Covid – Kann Hirntraining wirklich helfen?

Für Long Covid gibt es nach wie vor keine heilende Therapie.

Werden Menschen, die von ihrer Genesung berichten, damit nicht in ihrer Erfahrung entkräftet? Warum schenkt man ihnen keine Beachtung?

Betroffene müssen sich mit der Krankheit abfinden und mit ihr leben.  

Wieder dasselbe Thema: Warum werden Menschen, die genesen sind, nicht ernst genommen?

Nun verspricht ein Therapiekonzept Heilung durch Hirntraining. 

Heilsversprechen wirken unseriös. Ich persönlich verspreche keine Heilung.

Von den einen wird es gefeiert, andere warnen deutlich.

Manche wissen vielleicht noch nicht, was sie davon halten sollen. Warum dieses Schwarz-Weiß-Szenario?

Genesen dank Hirntraining Jasna Cotting war an Long Covid erkrankt. Arbeiten konnte sie noch, aber in ihrer Freizeit lag sie nur noch im Bett. Dann stiess sie auf den sogenannten neuroplastischen Ansatz, der davon ausgeht, dass bei Long Covid das Nervensystem überaktiviert ist. Symptome wie Fatigue, Schmerzen oder Belastungsintoleranz hätten mit der Zeit keine körperliche Ursache mehr, sondern seien vom Gehirn erlernt und könnten deshalb auch wieder verlernt werden, so die Hypothese.

Es scheint hier so, als würde man grundsätzlich bei jedem Fall davon ausgehen, dass dies zutrifft – doch das ist nicht der Fall. Es bleibt wichtig, sich gründlich medizinisch untersuchen zu lassen, um körperliche Ursachen auszuschließen.

Schwerkrank trotz Hirntraining Sara Pezzotta ist schwer an Long Covid erkrankt. Auch sie versuchte es mit der neuroplastischen Therapie. Doch ihr schadete die Methode, statt dass sie nutzte. 

Es tut mir sehr leid für Sara, und sie darf natürlich ihre Meinung äußern. Ich möchte jedoch betonen, dass mir ihr Vorgehen nicht bekannt ist und ich nicht weiß, wie sie die neuroplastische Therapie durchgeführt hat. Daher kann ich nicht beurteilen, ob ihr Ansatz mit dem Vorgehen von beispielsweise Jasna oder meinem Coaching vergleichbar ist.

Im Gespräch mit Daniela Lager wird klar, welche Gefahren der Ansatz hat und warum von einzelnen Genesungsgeschichten nicht auf alle Betroffenen geschlossen werden kann.

Im gesamten Pulsbeitrag werden sehr unterschiedliche Ansätze unter dem Begriff «Brain Retraining» zusammengefasst, was ich als sehr problematisch empfinde. Daher frage ich mich, ob es wirklich fair ist, so viele verschiedene Methoden unter einem gemeinsamen Begriff zu vereinen und sie anschließend zu vergleichen.

Die Skepsis der Patientenorganisationen Die Patientenorganisation Long Covid Schweiz verfolgt die aktuelle Diskussion um «Brain Retraining» bei Long Covid mit Skepsis. Es sei ein Hype, nach jetzigem Wissensstand ohne wissenschaftliche Grundlage. Long Covid, betont die Organisation, müsse man als multisystemische Erkrankung begreifen, mit nachweisbaren körperlichen Veränderungen, die weit über ein gestörtes Nervensystem hinausgehen. Daniela Lager fragt bei der Präsidentin von Long Covid Schweiz nach, warum sich die Patientenorganisation derart gegen Heilsversprechen wehrt.

Wieder wird ein Heilsversprechen angedeutet, das weder ich noch – soweit ich den Ansatz verstehe – die Methode an sich vertreten.

Der neuroplastische Ansatz am Luzerner Kantonsspital Long-Covid-Sprechstunden in der Schweiz greifen den neuroplastischen Ansatz unterdessen schon auf. Am Luzerner Kantonsspital empfiehlt die Neurologin Lara Diem ausgewählten Patientinnen und Patienten, Hirntraining auszuprobieren. Sie glaubt, dass sich die Symptomwahrnehmung, Schmerzverarbeitung und Lebensqualität dank des Trainings verbessern können. Das Vorgehen ist umstritten, denn bisher fehlt der wissenschaftliche Nachweis, dass der Therapieansatz bei Long Covid tatsächlich wirkt. Was bewegt die Neurologin dazu, die Therapie trotzdem schon zu empfehlen?

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